Notre Dame

Es war noch sehr früh am Morgen, die Sonne bog gerade um das Hauptschiff von Notre Dame. Der Platz auf dem wir uns trafen war noch Menschenleer. Nachdem wir uns in alle Richtungen vergewissert hatten, daß uns niemand gefolgt war, hub einer von uns zu sprechen an, indem er seinen Hut gegen die Sonne hielt und einen schauerlichen Pfiff ausstieß.
Alle Köpfe wandten sich zu ihm um, doch niemand von uns konnte genau sagen, ob unser Mann im Scheinwerfer der aufsteigenden Sonne, tatsächlich so groß war, daß er auf uns Umstehende herabschauen konnte, oder ob er auf der Schulter eines anderen saß.
Jene jedenfalls, die sich gerade den Knöchel kratzen wollten, verschoben das Ganze auf später und nagelten ihre Blicke an seinen Lippen fest. Selbst die Vögel, die gerade noch recht munter über unseren Köpfen herum zwitscherten, hielten darin inne und harrten nun genauso gespannt wie wir, der Dinge, die da kommen sollten. So kündigen sich nur große Veränderungen an und es war schon zu diesem Zeitpunkt ein Vergnügen dabeigewesen zu sein. Als plötzlich eine zeternde Frau auf den Platz stürmte, die Menge mit messerscharfen Gesten zerschnitt und mit rotunterlaufenen Augen schrie: La luze, la luze, gustav, fam idiote. Woraufhin, der zu sprechen gerade anhub, den Hut sinken ließ, hart getroffen von der Sonne die Augen zusammenkniff und blitzartig in der Menge verschwand. Wir haben nie erfahren können, ob er jemals wagte wieder aufzutauchen. Der Verkehr kam ins rollen, die Vögel drehten ab und die Sonne ging unter. Wir selber standen auch nicht mehr ewig da. Nur die Kathedrale steht noch an der selben Stelle. Ein Monument vergeblicher Hoffnung.