Konstruktion

Die Idee, die einem Projekt zu Grunde liegt, ist in den meisten Fällen eine Konstruktion, die sich der Wirklichkeitserfahrung bedient, aber die Raum-Zeit-Realität verschiebt um Bereiche sichtbar zu machen, die im Flußdiagramm der Geschehnisse rein weg übersehen würden. Eine Konstruktion bezieht sich immer auf Struktur und Umriss der Erscheinungen und stellt das Wesentliche in den dadurch umstellten leeren Raum. Die Methode ist also ganz einfach:

Nicht das Sichtbare ist Wesentlich, sondern das Unsichtbare. Nicht die Wände eines Hauses werden bewohnt, sondern die leeren Räume, die von diesen Wänden umstellt werden. Ohne die Wände hätten wir aber keine Anschauung vom leeren Zentrum. Die Mitte eines leeren Raumes können wir nur dann finden, wenn wir seine Umrisse kennen. Auf diese Art und Weise findet man auch einen Umgang mit Stoffen oder Texten, die uns diese Umrisse geben.

Innerhalb einer „bewegten Architektur“, wie ich diese Arbeit für das Theater nennen würde, finden wir bis in die kleinste Zelle eines Kunstwerkes, sei es eine Szene, ein Bild oder ein bestimmter Zeitpunkt auf der Achse des Erzählraumes die Möglichkeit, Assoziationsräume so geschickt zu umstellen, daß das Wesen im Innern sichtbar wird. Diese Leere mit „erfundener Wirklichkeit“ zu füllen ist die Aufgabe des Darstellers. Das Wesentliche dieser Konstruktion ist also nicht die Vorführung der Konstruktion, sondern das Entstehen eines Zwischenraumes, eines Mißverständnisses oder einer Wahrnehmung im Dunkeln.

Die Vorführung einer Handlung von genau sieben Sekunden, gedehnt auf eine Stunde im Bühnenkunstwerk ist ein Beispiel für Zeitkonstruktion, die die Wahrnehmung von Bewegung und Bedeutung um mindestens 15 Minuten verschiebt. Das Modell dieser Konstruktion beschreibt einen Vorgang, den man mit „zu spät erkannt, um Eingreifen zu können“ beschreiben kann.